Wahrnehmungsverarbeitung

Besonderheiten in der Wahrnehmungsverarbeitung haben eine große Bedeutung für das Verständnis des Autismus-Spektrums. Die im Folgenden aufgeführten Beispiele können bei autistischen Menschen in individuell unterschiedlichen Kombinationen und Ausprägungen zum Ausdruck kommen – eventuell auch nur in manchen Situationen:

  • Informationen aus den Sinnesorganen können sehr intensiv wahrgenommen werden (intensiv angenehm, aber auch intensiv unangenehm). Es können teilweise auch Informationen ins Bewusstsein kommen, welche üblicherweise nicht registriert werden (zum Beispiel das Hören des Herzschlags, der Geräusche von Neonröhren und ähnliches). Dadurch reagieren viele sehr empfindlich auf Reize in verschiedenen Situationen. Die hohe Sensibilität ist jedoch nicht immer gleich und von vielen Faktoren abhängig.
  • Informationen aus den Sinnesorganen können jedoch auch wenig oder überhaupt nicht bewusst wahrgenommen werden.
  • Filterprobleme in Bezug auf bedeutende und unbedeutende Reize können in manchen Situationen zur Folge haben, dass beispielsweise bei einem Gespräch die Hintergrundgeräusche gleich laut sind wie die Sprache, auf die man seine Aufmerksamkeit richten möchte. Beim Betrachten eines Bildes können die visuellen Informationen des Hintergrunds gleich stark sein wie die eines Gegenstandes im Vordergrund, den man genauer anschauen möchte.  Vieles wird dadurch anstrengender und manche Informationen werden gegebenenfalls auch nicht oder anders verarbeitet.
  • Manchmal wird das Gehirn von Reizen regelrecht „überschwemmt“ und es kommt zu Reizüberflutungen. Diese können zu einem völligen Chaos im Gehirn führen und sich in körperlichen Schmerzen, Stress, Angst und Panikreaktionen sowie völliger Handlungsunfähigkeit ausdrücken. Erschöpfungszustände danach können lange anhalten (auch unter Umständen mehrere Tage).
  • Es besteht die Tendenz, die Aufmerksamkeit in vielen Situationen eher auf Details zu richten und nicht auf die Situation als Ganzes und die Zusammenhänge. Durch das Zusammensetzen von Einzelheiten können zum einen sehr kreative Ideen entstehen. Zum anderen können nicht immer alle Details miteinander in einen Gesamtzusammenhang gebracht werden. Das Umfeld wirkt deshalb teilweise unverständlich, verworren und chaotisch.
  • Eine flexible Zusammenarbeit aller Sinnesorgane ist nicht immer möglich. Manchmal werden Informationen aus den Sinnesorganen aus Schutz vor Reizüberflutungen unbewusst ausgeschaltet.
  • Intuitives Lernen durch Beobachtung ist deutlich schwieriger, vieles muss ausschließlich bewusst gelernt werden. Dadurch ist z.B. unter anderem auch das intuitive Erfassen ungeschriebener sozialer Signale und Regeln erschwert.
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