Schwerbehindertenausweis

Schwerbehinderte Menschen erhalten zum Ausgleich für die Nachteile, die Ihnen durch ihre Behinderung entstehen, besondere Vergünstigungen in verschiedenen Bereichen. Diese sind abhängig von der Art und dem Ausmaß der Behinderung.

Im Schwerbehindertenausweis werden angegeben:

  • Das Ausmaß der Behinderung als "Grad der Behinderung" (GdB)
  • gegebenenfalls weitere gesundheitliche Merkmale in Form von Merkzeichen   

Ab einem GdB von 50 gilt man als schwerbehindert und erhält einen Schwerbehindertenausweis.

Mit einem GbB von 30-40 besteht die Möglichkeit, bei der Agentur für Arbeit  einen Antrag auf Gleichstellung zu stellen, wenn man infolge seiner Behinderung ohne die Gleichstellung einen geeigneten Arbeitsplatz nicht erlangen oder nicht behalten könnte. Damit erlangt man grundsätzlich den gleichen „Status" wie schwerbehinderte Menschen, jedoch ohne Zusatzurlaub, unentgeltlche Beförderungen und besondere Altersrente.
 

Bis zum 31.12.2010 genügte allein die von einem Facharzt für Psychiatrie bzw. Kinder- und Jugendpsychiatrie erstellte Diagnose eines Asperger-Syndroms, um einen GdB (Grad der Behinderung) von 50 - 80 und damit einen Schwerbehindertenausweis zu erhalten. Dies war in der alten Versorgungsmedizin-Verordnung verbindlich vorgegeben. Seit dem 1.1.2011 hat sich die Situation erheblich geändert. Es trat eine neue Versorgungsmedizin-Verordnung in Kraft, die bei Autismus weitere Differenzierungen nach dem Ausmaß der sozialen Anpassungsschwierigkeiten vorsieht, mit einem GdB von 10-100. Der genaue Wortlaut findet sich hier.

 

Bei stärkeren autistischen Ausprägungen können noch gewisse Merkzeichen hinzukommen. Es handelt sich dann häufig um die Merkzeichen "H" (Hilflosigkeit), "G" (Einschränkung des Gehvermögens) und "B" (Notwendigkeit ständiger Begleitung).
 

Kinder im Autismus-Spektrum mit einem GdB von mind. 50 haben bis zum 18. Lebensjahr einen Anspruch auf "H" s. website betanet hier


Viele Menschen mit leichteren autistischen Ausprägungen (Asperger-Syndrom) fühlen sich nicht "schwerbehindert" und verzichten auf eine Antragsstellung.
 

Wir raten jedoch bei autistischen Menschen zu der Erstellung eines Schwerbehindertenausweises aufgrund seiner Vorteile:
Diese liegen neben finanziellen Vergünstigungen in der Möglichkeit, dadurch weitere Unterstützungsmaßnahmen und Rechte in Anspruch zu nehmen. Dies gilt auch für Ausbildung und Beruf.

Die Annahme, man müsse den Schwerbehindertenstatus überall, z.B. bei einer Bewerbung, angeben, ist falsch! Man kann die Schwerbehinderung für sich behalten, verzichtet damit aber gleichzeitig auf eventuelle Nachteilsausgleiche und Vergünstigungen.

 

Beantragung:

Die Antragsformulare bekommt man auf jedem Rathaus oder aber beim zuständigen Versorgungsamt  oder auf ihrem Rathaus.

Die Antragsformulare zum Schwerbehindertenausweise finden Sie auch hier.

 

Sie werden ausgefüllt an das zuständige Landratsamt zurückgeschickt, zusammen mit

  • der offiziellen Diagnose von einem Psychiater, aus welcher möglichst genau hervorgehen sollte, ob und in welchen Bereichen sich die andere Wahrnehmungsverarbeitung auf die Alltagsbewältigung auswirkt
  • Berichten von anderen Stellen (sofern vorhanden), in welchen gegebenenfalls vorhandene Probleme bei der Alltagsbewätligung geschildert werden
  • einem Lichtbild für den Ausweis


Wir empfehlen dringend, darauf zu achten, dass bereits bei Diagnosestellung im Arztbrief ausführlich auf alle bisherigen und vor allem aktuellen Beeinträchtigungen und Einschränkungen in verschiedenen Lebensbereichen eingegangen wird. Der Unterstützungsbedarf in den verschiedenen Lebensbereichen muss deutlich benannt und beschrieben werden.

 

Da die Wahrnehmungsverarbeitung von Geburt an anders ist, kann eine rückwirkende Feststellung beantragt werden, wobei mit entsprechenden Gutachten von „damals“ nachzuweisen ist, inwieweit die Voraussetzungen für eine bestimmte Einstufung gegeben war.
Zumindest die Steuerbescheide kann man noch für einige Zeit rückwirkend ändern lassen.

 

Alles zusammen wird an das zuständige Landratsamt geschickt. Eine persönliche Vorstellung erfolgt in der Regel nicht.

Je nach Amt ist mit einer Bearbeitungszeit von mehreren Wochen bis Monaten zu rechnen.

 

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